Mittwoch, 30. Mai 2012

Die Zeitform

Ich habe es geschafft; ich konnte mein Ziel einhalten. Ganze 8 Seiten bin ich gestern weiter gekommen und bin nun auf Seite 40.

"Was, 40 Seiten - es sind erst 38."
Da wirft mein Göttergatte einmal einen Blick auf meinen Blog und so etwas fällt ihm dann auf Anhieb auf - nerv.
"Du hast mal wieder aufgerundet. Tsts."
"Ja, ich habe etwas aufgerundet. Das ist noch so eine alte Journalisten-Angewohnheit, weil nun mal "fast 15'000" in einem Artikel besser zu lesen ist als beispielsweise 14'931."
Seufz.
Dann sind es halt nur 38 Seiten - aber dennoch, 8 Seiten mehr als letzte Woche. Auf diesen 8 Seiten bin ich in der Geschichte aber nicht wirklich weiter gekommen. Ich habe meine 30 Seiten nochmals überarbeitet und zwar habe ich versucht jedes Ding, jeden Ort, jedes Gefühl bis ins Detail zu beschreiben.
Im Journalismus würde ich diesen Schreibstil als Reportage bezeichnen. In einer Reportage ist es wichtig, dass der Leser das Gefühl hat, als wäre er dabei - der Autor ist nicht nur das Auge des Lesers, sondern auch seine  Nase sowie die Ohren, für meine Fantasy-Geschichte passt dieser Schreibstil hervorragend.

Aber nicht alles, was ich im Journalismus gelernt habe, lässt sich wahrscheinlich im Buch anwenden. So gilt beispielsweise im Journalismus die Regel, dass Artikel immer im Präsens geschrieben werden sollten (natürlich gibt es auch hier Ausnahmen). Dies, da dem Leser damit Nähe zum Geschehen vermittelt wird. Welche Zeit passt nun aber bei einem Fantasy-Roman? Um diese Frage zu beantworten, nehme ich meine Lieblingsbücher zur Hand. In allen haben die Autoren die Vergangenheitsform gewählt. Auch meine Recherche im Internet zeigt: Die Vergangenheitsform wird mehrheitlich in Büchern angewandt. Warum, darauf finde ich auf die Schnelle jedoch keine Antwort.

Mir ist aufgefallen, dass viele Autoren zum Präsens greifen, wenn sie in der Ich-Form schreiben, so können sie wie beim Artikel Nähe schaffen - sprich, der Leser hat bei den Geschichten, die im Präsens geschrieben sind viel eher das Gefühl, dass er das Erzählte selbst mit erlebt.

Montag, 28. Mai 2012

Schreibfaul
Strahlend blauer Himmel, von Zeit zu Zeit schiebt sich eine Wolke vor die Sonne. Ein warmer Windhauch streichelt sanft über mein Gesicht. Ein Vöglein zwitschert, ein anderes stimmt in den Gesang mit ein. Alle meine Gedanken sind wie weggeblasen - ich fühle mich entspannt, ausgeruht. Meine Augenlider werden schwer, immer schwerer...
"Tuut."
Auf meiner Stirn bildet sich eine tiefe Furche. Wer wagt es meine Ruhe zu stören?
"Tuut."
Schon wieder habe ich eine SMS erhalte - und ja, meine SMS klingen tatsächlich wie Dampflokomotiven. Ich werde unruhig. Kann nicht mehr still sitzen. Soll ich die SMS lesen oder nicht? Was aber, wenn ich sie jetzt nicht lese und sie wichtig wäre. Ach was, so wichtig kann eine SMS nicht sein. Oder?
Die Neugierde siegt und so verlasse ich mein lauschiges Plätzchen, um nach meinem Handy zu suchen.
Auf dem Display werden zwei Nachrichten von einer Freundin angezeigt:
"Halloooooooooooooo?" schreibt sie in der ersten und in der zweiten SMS: "Lebst du noch?"
Ich antworte darauf mit einem knappen "Ja".
"Warum lese ich dann keinen aktuellen Beitrag in deinem Blog?"
Meine Antwort: Zunge rausstrecken
Darauf sie: "Wie läuft's mit dem Buch?"
Ich: Engel
"Also gar nicht", stellt sie fest, "so wirst du aber nie damit fertig."
Sie hat recht, ich war in den letzten Tagen tatsächlich Schreibfaul. Ich bin froh, Freunde zu haben, die mir sozusagen auch mal einen Tritt in den Allerwertesten verpassen, damit ich mein Ziel nicht aus den Augen verliere - deshalb habe ich mir nun ganz fest vorgenommen, dass ich jede Woche mindestens fünf Seiten an meinem Buch weiter schreibe. Gleich morgen setze ich mein Vorhaben in die Tat um - heute muss ich unbedingt noch das schöne Wetter geniessen.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Personen merken - Spick
Obwohl meine Hauptpersonen teilweise noch namenlos sind (siehe frühere Posts), hindert sie dies anscheinend nicht daran, ein Eigenleben zu führen. Sie treffen sich mit Nebencharakteren, die so eigentlich nie vorgesehen waren, reden mit ihnen oder erleben sogar geheimnisvolle Dinge mit ihnen.
Manchmal sitze ich am Computer und frage mich: Woher zum... *Schimpfwort wurde ausgepiept* ist diese Frau aufgetaucht? Dann habe ich den Eindruck, als würde mir meine Hauptperson zuzwinkern und dabei frech lachen - so à la: Ha, ha, haben wir dich mal wieder ausgetrickst.
Ich weiss, das klingt etwas - sagen wir es mal nett - abgehoben. Ihr müsst euch vorstellen, ihr lest ein Buch  und wenn es gut ist, taucht ihr in diese Welt ab: Ihr seht vor euch, was die Hauptpersonen sehen und es geht euch nah, wenn es ihr schlecht geht. Genau so geht es mir auch - beim Schreiben: Ich sehe Bilder vor meinem inneren Auge ablaufen. Gefällt mir eine Szene nicht, dann spule ich sozusagen zurück und versuche etwas anderes aus. Tja und manchmal tritt eine Person ins Bild, die eigentlich ganz gut in die Geschichte passt.

Das Dumme, bei diesen "Neuzugängen": Ich muss mir mehr Personen merken. Wie ich dies tue?
So: Von einem Arbeitskollegen habe ich ein Holzbrettchen mit leeren Zetteln bekommen - dieser eignet sich ideal als Spick, da ich die kleinen Blätter fächerförmig anordnen kann. Auf jedem Zettel steht zuoberst der Name des Protagonisten, dann folgt das Aussehen, die Charakterzüge, in was für Beziehungen er/sie zu anderen steht sowie Ideen, was er/sie noch alles erleben könnte.

Ihr fragt euch, wie denn die Wesen so sind, die in meinem Buch vorkommen? Mir ist es wichtig, dass die Mehrheit der Hauptpersonen sympathisch ist - jedenfalls muss ich sie auf Anhieb mögen oder ihre guten Seiten müssen wenigstens auf den zweiten Blick ersichtlich sein. Ich gebe mich in der realen Welt ja auch nicht mit Menschen ab, die mir schlichtweg auf den Wecker gehen - weshalb also sollte ich solch nervige Personen in einem Buch tolerieren. Was die Nebenpersonen anbelangt, finde ich es in Ordnung, wenn sie über einen - nett ausgedrückt- "spezielleren" Charakter verfügen - sie sind die Würze; die Aufregung einer Geschichte.

Um meinen Hauptpersonen den richtigen Charakter zu verpassen, habe ich mir überlegt, was sie in der Geschichte erreichen sollen, wie sie das erreichen sowie was sie für ein Leben führen.
Ich habe mir aber auch Gedanken darüber gemacht, wenn ich diese Person wäre, wie würde ich gerne sein.
Ich gestehe: Bei der ein oder anderen Haupt-/Nebenperson habe ich mir überlegt, wer in meinem Freundeskreis diesem Wesen charakterlich am nächsten kommt - so habe ich diese Person stets vor meinem geistigen Auge und weiss genau, wie sie auf gewisse Situationen reagiert. Der Vorteil hierbei: Ich kann die Reaktionen immer am lebenden Objekt testen.
Also liebe Freunde: Wenn ich euch nächstens merkwürdige Fragen stelle oder euch böse Worte an den Kopf werfe, dann denkt daran - es ist für Recherchezwecke. 

Freitag, 18. Mai 2012

Weibliche Hauptperson
"Spannend, gut geschrieben und beschrieben - bei einigen wenigen Passagen finde ich, könntest du noch mehr beschreiben, beispielsweise wie es da duftet", so das Urteil meines Göttergatten über mein Geschriebenes, "ich habs wirklich gerne gelesen und die Idee ist packend."
Grummel, da kommt noch etwas.
Wie erwartet: "Ich kann mir aber gut vorstellen, dass eine weibliche Hauptperson nicht ganz so gut zieht."
"Wie bitte??" Ich fühle mich, als hätte ich in eine Zitrone gebissen.
"Zähl mir doch mal auf, in wie vielen erfolgreichen Büchern - vor allem im Fantasy-Bereich - Frauen die Hauptrolle hatten."
Ich will ihm entgegnen, dass in meinem Büchergestell unzählige Werke stehen, in denen Frauen die Heldinnen sind. Doch als ich ihm die Buchtitel entgegenpfeffern will, fällt mir auf die Schnelle kein einziger ein.

Ich fühle mich, wie ein mit kaltem Wasser begossener Pudel. Er streichelt mir sanft über den Kopf und meint liebevoll: "Aber dein erste Buch muss ja auch nicht gleich ein Bestseller werden, sondern eine Geschichte, die für dich stimmt und die dir gefällt. Zudem kann es auch eine Chance sein, wenn die Hauptperson mal weiblich ist."
Natürlich hat er recht. Trotzdem will ich eine Geschichte schreiben, die wenigstens dieses Potential hätte - deshalb mache ich mich im Internet schlau. Es stimmt, nur in wenigen dieser Bücher sind die Protagonisten weiblich.  http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_erfolgreicher_B%C3%BCcher_nach_verkauften_Exemplaren
Warum nur, ist das so? Das Argument, dass es weniger Autorinnen als Autoren gibt zählt nicht, denn auch die lieben Frauen machen in ihren Büchern mehrheitlich die Männer zu Helden. Sind Männer vielleicht einfach die besseren Helden? 

Mittwoch, 16. Mai 2012

Die Nervensäge
Ich spüre einen Hauch im Gesicht.
Ein Schnalzen an meinem Ohr.
Ich reagiere nicht.
Etwas, beziehungsweise jemand zupft mich am Ärmel.
Ich bleibe ruhig.
Ein Finger stupst mich in die Seite. Wieder und wieder.
Ich murre.
Eine Hand streichelt mir sanft über den Arm.
Ich ziehe ihn weg.
Eine Hand legt sich auf mein Bein. Dann werde ich hin und her geworfen, geschüttelt.
"Waaas?" ich werfe meinem Göttergatten einen verärgerten Blick zu.
Er sieht mich mit seinem treuherzigen Hundeblick an. Da kann ich nicht anders, als ihm meine ganze Aufmerksamkeit zu schenken und lege den Computer weg; dies, obwohl ich gerade beim Schreiben des Blogs war.
"Du hast doch gestern weiter geschrieben am Buch?"
"Öhm, warum fragst du?" Ja ich weiss, dass ist ne doofe Frage, aber manchmal ist mein Mund einfach schneller als das Gehirn; Leute, die mich kennen, werden jetzt wohl ganz wild mit dem Kopf nicken.
"Ich will lesen. Bin neugierig wie es weiter geht."
Und auf einmal finde ich die Störung nicht mehr so schlimm. 

Dienstag, 15. Mai 2012

Seite 30
Meine Hände flogen gestern und heute richtig über die Tasten, es war fast so, als würde meine Geschichte nur darauf warten, endlich aufs Papier zu kommen. Die ganze Zeit über fühlte ich  mich ruhelos; fühlte ein Kribbeln in meinen Finger, so als wollte mich etwas antreiben. Ohne Pause - natürlich habe ich mir etwas Schlaf gegönnt - habe ich durchgearbeitet.
Das Mittagessen, ein Brokkoli-Gratin, habe ich mit Blick auf den PC eingenommen und ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob wirklich alles vom Gratin in meinem Mund gelandet ist. Tja, spätestens, wenn ich aufstehe, werde ich es wissen...

Während meine Finger über die Tasten jagten, habe ich nicht darauf geachtet, ob die Sätze perfekt sind, die Rechtschreibung stimmt oder ob ich die Umgebung genügend beschrieben habe. Ich habe einfach weiter geschrieben, um den Fluss ja nicht zu unterbrechen. Die Zeit ist verflogen, ohne dass ich etwas davon bemerkt habe.

Ich blicke auf, weil mein lieber Mann mit mir spricht. Einen Moment lang weiss ich nicht, wo ich bin - so tief war ich in meine Arbeit vertieft. Mein Kopf fühlt sich leer an, wie in Watte gepackt. Ich bin müde, aber auch erleichtert. Ich bin bei Seite 30 angelangt.
Obwohl ich genau weiss, wie sich die Geschichte entwickeln soll, finde ich keine passenden Worte - ein Zeichen, dass es Zeit für eine Pause ist. Das nächste Mal, wenn ich mich an meine Geschichte setze, werde ich zuerst meine zuletzt geschriebenen Zeilen nochmals lesen; an der Sprache feilen sowie die Umgebung/Szene detaillierter beschreiben. 

Montag, 14. Mai 2012

Namen

Wie zum Geier sollen meine Figuren heissen.
Ja, ihr habt richtig gelesen, obwohl ich schon mitten in der Geschichte bin, sind meine Hauptfiguren noch namenlos. Na ja, nicht ganz: Sie haben schon einen Namen, sonst würde ich sie ja nicht wiedererkennen - aber irgendwie passen die noch nicht bei allen so richtig.

Ich habe nach den seltsamsten Vornamen der Welt gegoogelt, nach den Schönsten, ging zu Namensgeneratoren wie
http://www.chriswetherell.com/elf/ sowie https://www.schreiblabor.com/generator/fantasy/ und habe in Foren nach den passenden Namen gesucht. Nun bin ich mir am überlegen, welche menschlichen Vornamen ich verändern könnte, damit sie geheimnisvoller, magischer klingen. Den Namen Carla habe ich in Carrfia umgewandelt, die in meinem Buch eine nervige Quasseltante spielt. Beim Namen Kevin ist mir ein ehemaliger Mitschüler eingefallen, dem ich gerne mal in den Allerwertesten treten würde - da ist mir Kick'can eingefallen, Kick'can spielt übrigens einen Trainer, der der Hauptperson tatsächlich schon mal einen Tritt verpasst. Für mich passt das.

Beim Schreiben ist es auch schon vorgekommen, dass ich merke, dass der Name doch nicht zu der Person passt, über die ich gerade schreibe: So habe ich eine der Protagonistinnen von Lilana, zu Liliana, zu Lil'liiana und nun zu Maylaan umbenannt - aber irgendwie passt der Name noch immer nicht.
Auch bei meiner männlichen Hauptperson mag ich den Namen Rydan nicht wirklich oder geht das nur mir so?
Tja, die Suche geht wohl weiter...
Die Karte
Ich gebe es zu, die letzten Tage war meine Motivation auf dem Tiefpunkt - sie sank sogar unter null. Schuld daran, war die Landkarte, die ich für mein Buch gestalten wollte. Leider ist sie erforderlich, damit ich einerseits das Land immer gleich beschreibe und andererseits der Leser weiss, wovon ich schreibe.

Begonnen hat alles ganz gut: In null Komma nichts habe ich das gratis Programm AutoRealm gefunden, mit dem man Landkarten zeichnen kann. Es hat verschiedene Icons wie Wald, Berge und Dörfer. Diese muss man nur anklicken auf das Papier anwenden und schon steht da ein Wald. Am Anfang sah es eigentlich gar nicht so schlecht aus und ich kam recht gut vorwärts bis...
...ich eine Schlucht zeichnen musste. Wie stellt man eine Schlucht dar, wenn das Icon fehlt? Ihr wisst ja, ich kann nicht zeichnen und auf das Papier kritzeln, hier befindet sich eine riesige Schlucht ist auch nicht wirklich toll - wenn ich schon eine Karte zeichne, dann aber richtig.

Also wandte ich mich an die einzige Person, die ich für fähig hielt, mir diese Arbeit abzunehmen: Meinen Mann, Informatiker und ehemaliger Maschinenzeichner.
Leider kam die Antwort postwendend: "Ich weiss auch nicht, lies doch mal in der Anleitung nach."
Ich knirschte mit meinen Zähnen. Das beeindruckte ihn jedoch wenig und er zuckte nur mit den Schultern: "Ich muss mich da auch einlesen."
Wütend stampfte ich davon und setzte mich wieder ans Programm. Ich hasse es Tutorials zu lesen.  Ich finde, jedes Programm sollte selbst erklärend sein, sonst ist es Mist - aber da spricht wohl die Ungeduld aus mir.
Natürlich habe ich die Anleitung nicht gelesen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass das Ergebnis deshalb nicht viel anders ausgesehen hätte.
Mein Ziel war es, dass meine Karte in etwa - mit meinen Anpassungen - so aussieht (Abbildung aus dem Buch Eragon).

Tja, stattdessen sieht sie so aus:

Schrecklich! Als hätte ein Kind sie gezeichnet und nun glaubt ihr mir bestimmt auch, dass ich wirklich nicht zeichnen kann - nicht einmal mit Hilfe des Computers.

Ein gutes hat dieses Karten-Desaster: Mein Göttergatte hat einen Blick darauf geworfen, geschmunzelt und mir kurzerhand versprochen, mit mir zusammen eine neue Karte zu designen. Seiner Meinung nach, ist AutoRealm dafür nicht ganz das richtige Programm. Stattdessen hat er sich jetzt die ProFantasy Software heruntergeladen http://www.profantasy.com/ und dazu Fantasy Symbole gekauft - das Ganze hat uns USD 50 gekostet, sieht aber auf den ersten Blick einiges professioneller aus. Wir werden sehen.

Freitag, 11. Mai 2012

Bücher lesen
Gestern Abend habe ich endlich wieder einen meiner alten Schmöker zu Ende gelesen. Ihr müsst wissen, dass ich mir vorgenommen habe, fast alle der 100 Bücher, die man angeblich gelesen haben sollte, tatsächlich zu lesen. Ich war ziemlich enttäuscht vom Roman der angeblich als Klassiker der britischen Literatur des 19. Jahrhunderts gilt und der eigentlich eine wunderschöne Lovestory beschreiben sollte - bis...

...ich entspannt im Bett lag. Ich war gerade am Einschlafen - meine Füsse zuckten -, als ich auf einen Schlag hellwach war und kerzengerade im Bett sass.
"Schatz, alles in Ordnung?" fragte mich mein Mann schlaftrunken.
Ich nickte, schwang mich aus dem Bett, stürzte zur Schlafzimmertüre und rannte die Treppe hinunter als wäre der Teufel hinter mir her. Im Wohnzimmer kramte ich nach meinem Computer; meine Hände zitterten vor Aufregung.
"Schaaatz?" Augenreibend, mit abstehenden Haaren schlurfte mir mein Mann hinterher, "alles in Ordnung?"
Ich nickte wiederum. Er schnaubte: "Du hast schon vorher im Bett genickt, stimmt's?!"
Ich nickte nochmals, dieses Mal mit einem verzeihenden Lächeln.
"Du weisst schon, dass ich im Dunklen nicht sehen kann", brummte er, "sag schon, was ist los?"
"Ich hatte gerade dank eines verstaubten Buches einen Geistesblitz. Ich habe den ultimativen Anfang gefunden." Ich war so begeistert von meiner neuen Idee, dass ich durch das Wohnzimmer hüpfte. Mein neuer Anfang fühlte sich richtig an, so wie wenn man einem Kind einen Namen gibt und genau weiss, der ist es. Ein richtig guter Anfang ist wichtig, weil er darüber entscheiden könnte, ob jemand das Buch statt zurück ins Regal in den Einkaufskorb legt. In meinem Freundeskreis gibt es einige, die die erste Seite lesen, bevor sie ein Buch tatsächlich kaufen; ich bin eigentlich die Einzige, die zuerst das Ende liest.

Wo war ich? Ah ja, beim Anfang: Ich setzte mich an meinen Computer; meine Finger trommelten wie wild auf die Tastatur; durch meinen Körper rasten tausende Ameisen. Als ich meinen perfekten Einstieg auf dem Bildschirm flimmern sah, fühlte ich mich unbeschreiblich gut, die Aufregung war wie weg geblasen. Da ich meinen überarbeiteten Anfang nicht gelöscht habe, sondern ihn in einem anderen Kapitel eingebaut habe, bin ich jetzt bei 19 Seiten. Zudem habe ich einen neuen Schmöker aus vergangenen Tagen begonnen - "David Copperfield" von Charles Dickens.  http://de.wikipedia.org/wiki/David_Copperfield_(Roman)
Warum ich mir dies antue? Ich achte beim Lesen auf den Schreibstil des Autors, wie er Spannung aufbaut und wie er Dinge sowie Szenen beschreibt. Gefällt mir eine seiner Techniken, merke ich sie mir. 

Mittwoch, 9. Mai 2012

Beschreibungen
30 Minuten lang habe ich im Internet gesurft beziehungsweise recherchiert. Auf YouTube habe ich gefunden, wonach ich gesucht habe - einen wunderschönen Sonnenaufgang. Ich habe ihn mir unzählige Male angesehen und immer wenn sich der Himmel veränderte, habe ich zu meinem Buch gewechselt und versucht die Veränderung in Worten festzuhalten. Wäre mein Computer ein Mensch, dann wäre ihm nun schlecht, so oft habe ich hin und her geswitcht.
Ich würde jetzt gerne behaupten, dass es dank des YouTube-Videos leicht war, den Sonnenaufgang zu beschreiben - das wäre aber gelogen. Manchmal war ich drauf und dran den Computer in eine Ecke zu pfeffern, weil meine Beschreibungen hölzern klangen. Ich habe sogar meinen Mann, den Informatiker, gebeten, mir einen Sonnenaufgang zu beschreiben, der zuckte jedoch nur mit den Schultern und meinte: "Du machst das schon." Und mit einem Blick auf meinen Text: "Ist doch gut, was willst du noch mehr." Mehr als eine Stunde habe ich an einen einzigen Detail gearbeitet - aber es hat sich gelohnt und ich bin zufrieden.

Das erste Problem wäre also gelöst. Nun kann meine Hauptperson loslegen und fliehen.
Doch hier kommt bereits die zweite Knacknuss: Um die Landschaft beschreiben zu können, muss man wissen wie sie aussieht und zwar bis ins kleinste Detail. Ich habe mich entschieden ein Land zu erfinden.
Der Vorteil davon: In erfundenen Ländern ist praktisch alles möglich und ich muss mich an nichts halten. Damit das erfundene Land in meiner Geschichte aber immer gleich aussieht brauche ich einen Spick - eine Landkarte. Wenn ihr Fantasy-Romane lest, habt ihr solche Karten wahrscheinlich schon gesehen. Sie sehen simpel aus, gerade so, als könnte jedermann so eine Karte zeichnen.
Tja, dummerweise bin ich nicht jedermann, sondern eine totale Niete im Malen. Ein Kreis ist bei mir selten wirklich rund. Die Karte von Hand zu zeichnen kommt also auf keinen Fall in Frage. Dann mache ich mich wohl mal auf die Suche nach Programmen.

Übrigens: Wer über einen Ort schreibt, den es tatsächlich gibt und auch den Namen nennt, sollte darauf achten, dass er diesen Ort wirklich gut kennt - sonst könnte es peinlich für ihn werden. Jedenfalls im Journalismus gilt: Ein Fehler im Artikel und die Glaubwürdigkeit der Fakten sinkt.  
1. Meinung + Spannung erzeugen
"Die Idee gefällt mir und es ist sehr spannend..." Den Rest des Satzes lässt mein Partner in der Luft hängen und ich weiss, da kommt ein dickes, fettes aber und tatsächlich: "...aber du erzählst auf 10 Seiten so viel, wie andere in mehreren Kapiteln - dass ist zu viel Action, ich finde du solltest mehr beschreiben." Ich fühle mich gerade, als wäre ich 5 cm geschrumpft. Die ganze Mühe war also umsonst; ich bin wieder bei 0. Ich habe den Text markiert und mein Finger schwebt über der Delete-Taste - aber ich bringe es nicht über mich.
Eigentlich muss ich ja nur etwas Tempo rausnehmen, die Idee an und für sich fand mein Göttergatte ja gut. Wie man das macht weiss ich ja aus meiner Journalistenzeit: Aus den vielen aneinandergereihten kurzen Sätzen werden lange.

Bis jetzt begann meine Geschichte folgendermassen: Das Knarren einer Türe durchdrang die Stille. Ein Junge schlüpfte durch einen Spalt ins Freie. Sein Kopf war gesenkt. Eine einzelne Träne kullerte ihm über die Wangen. Ein Geräusch liess ihn zusammen zucken.
"Ich muss hier weg", schoss es ihm durch den Kopf.

Nun soll meine Geschichte langsamer beginnen. Nur wie? Ich kaue auf meinen Fingernägeln herum, raufe mir die Haare und plötzlich habe ich einen Geistesblitz: Ein Sonnenaufgang würde passen.
Ich habe schon hunderte, wenn nicht 1000 Sonnenaufgänge gesehen - beschrieben habe ich jedoch noch keinen. In der Zeitung ist es leicht einen Sonnenaufgang zu beschreiben: "Die Sonne geht auf, ein neuer Tag beginnt." Kurz, präzise und neutral. Doch wie beschreibe ich einen Sonnenaufgang, der so wunderschön ist, dass es dafür keine Worte gibt?   

Dienstag, 8. Mai 2012

Den Anfang
...finde ich etwas vom Schwierigsten. Er muss den Leser fesseln, so dass er auf jeden Fall weiterliest.

Eine Kommunikationsfachfrau http://www.commversa.ch/ hat mir erklärt, dass sowohl beim Buch als auch beim Film gilt: So ziemlich am Anfang muss etwas spannendes passieren. So schafft man es, dass der Leser dran bleibt und wissen will, wie es weitergeht. Danach kann die Dramaturgiekurve (siehe Abbildung) abflauen, damit der Autor tiefer in die Geschichte abtauchen und die Details erklären kann. Gegen Ende der Geschichte folgt dann aber noch das grosse Finale.


Ich habe den Anfang sicher 10x umgeschrieben und bin endlich zufrieden damit. Ganze 10 Seiten habe ich heute geschafft.Bevor ich jedoch weiterschreibe, lasse ich meinen Partner einen Blick auf die Seiten werfen, damit ich weiss, ob ich mich auf dem richtigen Weg befinde - bei ihm bin ich mir 100% sicher, dass er mir die ungeschönte Wahrheit an den Kopf wirft.  

Die Idee
Ich habe mir heute einen ganzen Tag frei genommen, um mich meinem Buch zu widmen. Die Idee für die Geschichte habe ich bereits. Woher? Ich habe vor fast einem Jahr davon geträumt. Nun bin ich soweit, dass ich für meine Fantasy-Geschichte einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende habe.
Wie kommt man auf Ideen für ein Buch? In dem man mit offenen Augen durchs Leben geht. Überall auf der Welt sind Geschichten versteckt, man muss sie nur finden - sei dies in einer spannenden Person, in einem Lebewesen oder einem aktuellen Ereignis. Fragt euch doch mal, was wäre, wenn ihr im Körper dieser Person oder Lebewesen stecken würdet. Beispielsweise, wie dies David Safier in "Plötzlich Shakespeare" oder Franz Kafka in seinem Werk "Die Verwandlung" getan haben. http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verwandlung
Ein weiteres Beispiel: In Zürich ist ein Elefant aus einem Zirkus ausgebrochen und durch die Bahnhofsstrasse spaziert - alle Schweizer Tageszeitungen berichteten darüber. Eine Freundin von mir liess sich davon inspirieren http://www.babbu.ch/
Ein in der Schweiz bekannter Journalist hat mal zu mir gesagt: "Jedes Thema kann spannend sein, wenn es richtig gut erzählt wird."

Montag, 7. Mai 2012

"Ich will Schriftstellerin werden." Dies habe ich mit zehn Jahren geantwortet, wenn mich jemand gefragt hat, was ich mal werden will, wenn ich gross bin. Nun, seit einigen Jahren bin ich "gross"; Autorin bin ich jedoch nicht - noch nicht.
Nach über zwanzig Jahren, habe ich mich entschieden, das Kind in mir nicht noch länger zu enttäuschen. Es wird Zeit, sich dem eigenen Traum zu stellen. Ob mir das gelingt, erfahrt ihr hier auf meinem Blog.