Mittwoch, 9. Mai 2012

1. Meinung + Spannung erzeugen
"Die Idee gefällt mir und es ist sehr spannend..." Den Rest des Satzes lässt mein Partner in der Luft hängen und ich weiss, da kommt ein dickes, fettes aber und tatsächlich: "...aber du erzählst auf 10 Seiten so viel, wie andere in mehreren Kapiteln - dass ist zu viel Action, ich finde du solltest mehr beschreiben." Ich fühle mich gerade, als wäre ich 5 cm geschrumpft. Die ganze Mühe war also umsonst; ich bin wieder bei 0. Ich habe den Text markiert und mein Finger schwebt über der Delete-Taste - aber ich bringe es nicht über mich.
Eigentlich muss ich ja nur etwas Tempo rausnehmen, die Idee an und für sich fand mein Göttergatte ja gut. Wie man das macht weiss ich ja aus meiner Journalistenzeit: Aus den vielen aneinandergereihten kurzen Sätzen werden lange.

Bis jetzt begann meine Geschichte folgendermassen: Das Knarren einer Türe durchdrang die Stille. Ein Junge schlüpfte durch einen Spalt ins Freie. Sein Kopf war gesenkt. Eine einzelne Träne kullerte ihm über die Wangen. Ein Geräusch liess ihn zusammen zucken.
"Ich muss hier weg", schoss es ihm durch den Kopf.

Nun soll meine Geschichte langsamer beginnen. Nur wie? Ich kaue auf meinen Fingernägeln herum, raufe mir die Haare und plötzlich habe ich einen Geistesblitz: Ein Sonnenaufgang würde passen.
Ich habe schon hunderte, wenn nicht 1000 Sonnenaufgänge gesehen - beschrieben habe ich jedoch noch keinen. In der Zeitung ist es leicht einen Sonnenaufgang zu beschreiben: "Die Sonne geht auf, ein neuer Tag beginnt." Kurz, präzise und neutral. Doch wie beschreibe ich einen Sonnenaufgang, der so wunderschön ist, dass es dafür keine Worte gibt?   

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen