Montag, 30. Juli 2012

Wohin läuft die Geschichte?
Vor dem Wochenende habe ich meine inzwischen 100 Seiten meinen beiden Journalistenkolleginnen geschickt. Nun warte ich einmal mehr auf ihr Feedback. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich heute noch keine Antwort erwarten kann und trotzdem starre ich wie ein verliebter Teenager auf mein Handy und warte bis es klingelt.
Tatsächlich macht es mir diesen Gefallen. Vor Überraschung falle ich fast vom Stuhl.
"Hallo?"
"Ich bins!"
Warum zum Teufel haben einige Anrufer das Gefühl, man würde sie sofort an ihrer Stimme erkennen, sobald man nur einen Pieps hört?!
Obwohl ich keinen blassen Dunst habe, wer am Draht ist (die Nummer war unterdrückt) antworte ich: "Hey, wie geht's denn so?"
"Ich habe gerade deine Seiten gelesen."
Aha, da kommen ja nur zwei in Frage.
"Ich habe eigentlich nur Kleinigkeiten zu bemängeln...", fährt sie fort und holt dann tief Luft.
"Mir fehlt, wohin sich die Geschichte bewegt. Sie ist zwar spannend, aber wo will sie genau hin? Steht deinem Fantasy-Land ein Krieg bevor oder um was genau geht es?"
Ich möchte sie anschreien, dass das doch bereits auf der ersten Seite klar und deutlich steht, reisse mich dann aber zusammen.
Das Telefonat ist zu Ende - ich bin am Boden zerstört. Hat man tatsächlich keine Ahnung, um was es in meiner Story geht? Und wenn ja, braucht es tatsächlich auf den ersten 70 Seiten einen Hinweis, der einem auf die richtige Spur bringt. 
Ich denke nach: So wie ich das beurteile, weiss man beispielsweise bei Harry Potter jeweils im ersten Drittel des jeweiligen Buches, wohin die Geschichte führt. Bei "Herr der Ringe" ist das von Anfang an klar. 
Hm, wie war das nochmals bei Sakrileg? Da hat es einen Mörder und dann wird stückweise ein Geheimnis aufgedeckt - wenn ich mich richtig erinnere, ist hier kein deutlicher Weg vorgezeichnet. Und genau so macht es auch mein momentaner Lieblingsautor Brandon Sanderson - er entführt mich in eine wunderbare Welt mit fantastischen Figuren und deckt nach und nach ein Geheimnis auf. 
Mein persönliches Fazit: Jeder Leser mag etwas anderes gerne. Ich als Schreiberin muss mögen, was ich geschrieben habe, sonst werde ich nie damit zufrieden sein; gefallen wird mein Werk wohl nie allen Menschen auf dieser Welt - aber muss es dies wirklich? 

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