Mittwoch, 22. August 2012

Ideen suchen in der Natur
"Aufstehen!"
Mein Göttergatte zieht mir die Decke weg.
Grummel.
"Komm, Zeit zum Schreiben."
"Geh weg", antworte ich patzig.
Er zieht mich an den Füssen aus dem Bett.
"He", rufe ich verärgert, "ich habe doch Ferien und will Ausschlafen."
"Schlaf wird überbewertet. Ausserdem hast du schon acht Stunden geschlafen."
Er zieht weiter an meinen Füssen, bis sich mein Po am Bettrand befindet.
"Ich brauche aber neun Stunden."
"Morgenstund hat..."
"...Blei im Arsch."
Er lacht, zieht die Vorhänge zur Seite und den Rolladen hoch.
"Ach", stöhne ich, als mich die Sonnenstrahlen blenden.
Schliesslich hat er mich so weit und ich stehe auf.
"Du siehst extrem motiviert aus", sagt er und lacht.
Ich strecke ihm zur Antwort nur die Zunge heraus.
"Was dir gut tun wird, ist ein schöner Spaziergang."
Dazu lasse ich mich überreden, natürlich erst nach einem ausführlichen Frühstück und einer lauwarmen Dusche. Schliesslich geht es los und wir fahren mit dem Auto in ein kleines, abgelegenes Bergdorf im Tessin.
Bereits auf der Fahrt klebe ich an der Autoscheibe und sauge die Landschaft in mich ein: Da gibt es Wasserfälle, die sich im zick-zack-Kurs ins Tal wälzen; riesige, mit grünen Wäldern überwachsene Hügel; schwarz, glänzende Felswände; Bergdörfer mit knapp zehn Häuschen auf einer abgelegenen Bergspitze; bunt bemalte Häuser, und, und und...
In so einem Dorf könnte doch einer meiner Protagonisten wohnen. Dieser Berg, der vollkommen mit Bäumen bewachsen ist und in dessen Mitte ein einzelnes Haus steht, könnte doch auch in meinem Buch eine Rolle spielen. Ich zücke meine Kamera und schiesse ein Bild ums Andere, damit ich mich im Ferienhaus auch wirklich an jedes Detail erinnern kann.
Nach dem Spaziergang, den mein Göttergatte und ich eher schweigend und in Gedanken versunken verbracht haben, sprühe ich so richtig vor Ideen - die Motivation ist zurück gekehrt. 

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