Montag, 20. August 2012

Szene verschieben
"Wie weit bist du schon?"
Mein Göttergatte wirft einen Blick auf meinen Computer.
"War der Cursor nicht schon vor einer Stunde genau an dieser Stelle?" Er sieht mich fragend an.
Ich verziehe das Gesicht zu einer Grimasse und presse ein "jaa" hervor.
"Zum Glück", sagt er und lacht.
Meine linke Augenbraue schiesst in die Höhe und ich sehe ihn skeptisch an.
"Ich bin heute überhaupt nicht motiviert zu arbeiten", erklärt er mir, "und froh, dass es dir anscheinend auch so geht."
"Nett", finde ich dazu nur und strecke ihm die Zunge heraus.
Eigentlich weilen mein lieber Mann und ich gerade in den Ferien - nicht etwa um Auszuspannen, sondern um an unseren Projekten zu arbeiten. Während ich - wie ihr ja bereits wisst - an einem Buch schreibe, träumt er davon sein eigenes Game zu programmieren. Damit wir beide einen grossen Schritt mit unseren Projekten vorwärts kommen, gönnen wir uns eine Woche "Arbeitsferien".
Ja ich weiss, Ferien kann man definitiv sinnvoller gestalten - aber eine Woche nur zu Schreiben hat auch seine Vorteile, so ist man beispielsweise schneller wieder im Text und in der Geschichte drin.
Obwohl wir schon zwei Tage im Tessin sind (im Süden der Schweiz), bin ich noch nicht wirklich weit gekommen.
Die Worte meines Göttergattens haben mich jetzt aber so richtig angestachelt - dem werde ich's zeigen und so richtig in die Tasten hauen.
Dummerweise sehen dies meine Finger und mein Gehirn anders - die Worte wollen einfach nicht fliessen. Wie wäre es dann, wenn ich eine bereits geschriebene Szene einfach etwas detaillierter beschreiben würde?
Gute Idee!
Ich scrolle zum Mittelteil, weil ich beim Anfang nichts mehr ausbauen möchte und überfliege den Text.
Halt! Diese Szene scheint einfach nicht an diese Stelle zu passen. Löschen mag ich sie aber auch nicht, weil sie so schön aufzeigt, was für eine Beziehung zwei meiner Protagonisten miteinander haben.
Was mache ich nun?
Ah! Ich weiss, ich verschiebe die Szene einfach zum Anfang des Buches, den hier könnte sie gut hineinpassen.
Gesagt, getan und tatsächlich passt die Szene hier ideal. Etwas umschreiben muss ich sie aber noch, damit sie noch besser zum Geschehen passt. Und siehe da, das fällt mir richtig leicht und im Nu habe ich zwei Seiten vollgeschrieben.
Eine Frage lässt mich jedoch inne halten: Gab es im Mittelalter bereits Taschen und wenn ja, was für welche?
Das muss ich sofort recherchieren, ich will ja nicht, dass der Leser später darüber stolpert.
Google sei Dank, finde ich die Antwort sehr schnell und frage mich einmal mehr, wie ich früher ohne das Internet und die Suchmaschine leben konnte.
Und nun, weiter im Text.

Das Word zeigt 158 Seiten an. Genug für heute, Zeit zum relaxen.

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