Donnerstag, 6. September 2012

Die Leseprobe

Es war still in Ogron – totenstill. Ein schwarzer Singvogel, den die ersten Sonnenstrahlen geweckt hatten, streckte seinen Kopf unter dem Gefieder hervor und betrachtete das Dorf neugierig. Nichts regte sich. Wie in Zeitlupe schob das Tier seinen Kopf wieder unter seinen Flügel und schloss die Augen, um ja keinen Mucks zu machen. 
Selbst die Sonne schien an diesem Morgen blass zu sein; nur langsam stieg sie die Himmelsleiter hinauf, so als würde sie es vorziehen, an diesem todbringenden Tag nicht zu scheinen.
Knarr.
Der Vogel hob seinen Kopf erneut um nachzusehen, was die Stille durchbrochen hatte: Ein 13-jähriger Knabe war aus einem palastähnlichen schneeweissen Gebäude auf einer Anhöhe des Dorfs geschlüpft.
Er schloss die Tür.
Knarr. 
Sein schwarzes Haar war zerzaust; sein Kopf gesenkt; seine Arme hingen schlapp nach unten; die Lippen waren zu einem schmalen Strich zusammen gepresst. Eine einzelne Träne rann ihm über die rechte Wange. Ein Geräusch im Haus liess ihn zusammen zucken.
„Ich muss hier weg“, schoss es Rydan durch den Kopf. 

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