Dienstag, 2. Oktober 2012

Satzzeichen
Ich kann mich noch gut an meine Anfangszeit im Journalismus erinnern: Ich stolzierte mit geschwellter Brust herum; schrieb ellenlange Artikel, die aber wenig aussagten; feilte stundenlang an einem Satz; blieb freiwillig bis spät in die Nacht in der Redaktion, um zu sehen, wo mein Text in der Zeitung platziert wurde; sammelte all meine Artikel und hielt sie für Kunstwerke. 
Ein Jahr lang fühlte ich mich wie ein Duracell-Hase. Dann bestellte mich mein Chef in sein Büro. Vor ihm lag ein Stapel meiner Artikel.
"Du warst dieses Jahr aber fleissig", sagte er und nickte anerkennend. 
Ich wuchs in meinem Stuhl um mindestens 5 Zentimeter; auf dem Gesicht ein dümmliches Grinsen.
"Aber..."
Meine Schultern sanken nach vorne - nun fühlte ich mich 10 Zentimeter kleiner. 
"...etwas mehr Qualität wäre schön", meinte er. 
Ich fühlte mich, als hätte er mir in den Bauch geschlagen. Mir blieb die Luft weg. Die Tränen stiegen mir in die Augen.
Was hatte ich nur falsch gemacht? Hatte ich Unwahrheiten verbreitet? 
Mein Kopf wurde heiss und ich wusste, dass er knallrot angelaufen war. 
"Versteh mich nicht falsch: Deine Artikel sind gut, aber du könntest noch viel mehr herausholen, wenn du mehr mit Satzzeichen arbeiten würdest. Immer nur Komma, Punkt und sehr selten ein Gedankenstrich machen den Text langweilig -arbeite mehr mit den Satzzeichen, so wird dein Text automatisch besser, verständlicher und spannender zum Lesen", riet er mir und fügte hinzu: "versuch auch dich kürzer zu halten. Prägnante Beschreibungen sind interessanter, als lange, mühsame Umschreibungen."
Obwohl mich diese Kritik zuerst erschütterte, bin ich meinem Chef im Nachhinein sehr dankbar. 
Dadurch habe ich erkannt, dass Satzzeichen sehr wichtig sind, um Sätze oder Texte zu strukturieren. Denn sie unterteilen den Text in sinnvolle Abschnitte und lassen den Leser kurz inne halten - somit sind sie wichtige Hilfsmittel, die Sätze/Texte verständlicher machen. 

Seither habe ich mein Leseverhalten verändert - ich achte in einem Buch auch darauf, wie ein Autor schreibt. Dabei ist mir aufgefallen, dass mir das Lesen einfacher fällt und ich es spannender finde, wenn der Autor vermehrt Satzzeichen wie Doppelpunkt, Gedankenstrich, Fragezeichen sowie Strichpunkt einsetzt und nicht nur Punkt sowie Komma.

Übrigens: Meine "Kunstwerke" habe ich mittlerweile alle entsorgt - sie waren einfach zu schlecht geschrieben. 

Damit ihr Satzzeichen richtig einsetzt, hier einige Links: 

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