Freitag, 31. Mai 2013

Wann sollte überarbeitet werden?
Die letzte Woche habe ich einige Szenen nochmals gelesen. Dies hat mich total frustriert: Waren einige Szenen lediglich zu schlecht beschrieben, fand ich andere einfach nur doof - deshalb war ich mir nicht sicher, ob ich nicht doch noch alles hinschmeissen sollte.

"Auf keinen Fall!" musste ich mir von einer Freundin anhören, die regelmässig Bücher schreibt. "Irgendwann zweifelt fast jeder einmal an seinen Schreibfähigkeiten - aber dann heisst es "Gring ache u seckle" (Kopf runter und weiter rennen)." Dieses Zitat stammt von der Schweizer Mittel- und Langstreckenläuferin Anita Weyermann, die damit einem Journalisten erklärt hatte, wie sie an der Leichtathletik-WM 1997 die Bronzemedaille gewonnen hatte.     
http://de.wikipedia.org/wiki/Anita_Weyermann
Was wäre wohl passiert, hätte Weyermann damals nach hinten gesehen? Wäre sie gestolpert? 
Viele Autoren fallen laut meiner Schreiber-Freundin über ihre eigenen Beine, weil sie sozusagen beim Laufen nach hinten blicken: Sie verschwenden unendlich viel Zeit für die Überarbeitung - weil der Text perfekt sein soll, was er aber selten ist - weshalb den Autoren die Lust am Schreiben vergeht.  

Deshalb gilt beim Schreiben wie beim Langstreckenlaufen: Durchhalten! Das Buch zu Ende bringen, bevor man sich ans Überarbeiten macht. So bleibt die Motivation und die Freude am Schreiben bis zuletzt erhalten und mit dem Gefühl "es geschafft zu haben" macht es auch mehr Spass an seiner Geschichte herum zu feilen.
Ebenfalls für das Überarbeiten ganz am Schluss spricht, dass Unstimmigkeiten eher auffallen.

Diese Erklärungen meiner Autorenfreundin leuchten mir ein, weshalb ich ihren Rat nun beherzige und mit dem Überarbeiten warte, bis ich mein Ziel erreicht habe. 

Montag, 13. Mai 2013

Zurück aus der Babypause
"Sag mal, was macht eigentlich dein Buchprojekt?" wollte meine Chefin von mir wissen, als ich während meines Mutterschaftsurlaubs kürzlich im Büro vorbei geschaut habe.
"Es schläft tief und fest - im Gegensatz zu mir, denn der Kleine ist nachts immer noch oft wach."
"Wolltest du Ende März nicht weiter schreiben? So steht es jedenfalls in deinem Blog", fragte sie weiter.
Wollte ich das wirklich? Daran kann ich mich - wahrscheinlich wegen der Stilldemenz (http://www.news.de/gesundheit/855176867/wenn-mamas-unter-blackout-leiden/1/) - gar nicht mehr erinnern. Doch ein Blick auf den letzten Blog-Eintrag zeigt, dass ich mir das tatsächlich fest vorgenommen hatte. Wie peinlich, dass ich das vergessen hatte.
Die Worte meiner lieben Chefin haben mich aufgerüttelt; kurzerhand habe ich Omi und Opi engagiert am Montag auf den Kleinen aufzupassen, damit ich mein Buch aus dem Dornröschen-Schlaf aufwecken kann.

Ganz so einfach war es nicht: Nach drei Monaten Schreibpause, musste ich mich erstmals wieder einlesen - statt wie sonst die letzten 5 Seiten zu lesen, habe ich nun die letzten 20 Seiten gelesen.
Bereits nach einer Seite lesen war für mich klar: "Da musst du nochmals ran."
Die Szene war einfach zu schlecht sowie ungenau beschrieben. Fast so, als hätte ich es eilig gehabt weiter zu kommen; fast wie ein verspäteter Zugführer, der versucht die verlorene Zeit mit ganz kurzen Stopps wieder aufzuholen.
Mit Tatendrang machte ich mich ans Werk. Nach drei Stunden war ich mit dem Resultat zufrieden: Die Szene ist genauer sowie ausführlicher beschrieben und ich bin mit relativ wenig Aufwand 4 Seiten weiter gekommen.
Trotz des Erfolgs nagt ein Gedanke an mir: Wie gut würden andere Szenen meine Kritik überstehen, wenn ich sie jetzt, da ich genügend Abstand hatte, nochmals lesen würde?
Soll ich sie nochmals lesen und dann überarbeiten?