Mittwoch, 14. Mai 2014

Die Figuren entwickeln ein Eigenleben
Nanu, was macht denn meine Figur da?
Wie ist sie nur da hinein geraten?
Hab ich das Kapitel geschrieben und wie bin ich denn darauf gekommen?
Kennt ihr das? Eure Finger fliegen über die Tasten; die Figuren reden mit anderen und plötzlich tun sie etwas, das so nicht geplant war; das Erlebnis spitzt sich zu; euer Herz schlägt schneller; weitere Figuren stossen dazu; ihr seid gespannt, wie es weitergeht und fragt euch gleichzeitig, warum geschieht das eigentlich, was ich da gerade niederschreibe?
Dieses Gefühl hatte ich bei meinem letzten Kapitel. Eine der Hauptfiguren sucht nach ihrem verwundeten Freund. Eigentlich sollte diese Szene gerade mal drei Seiten lang werden: Eine verbrannte Stadt; überall Ruinen; verkohlte Leichen und unter einem Trümmerhaufen liegt der verwundete Freund, der sofort gepflegt und weg gebracht wird.
Doch anscheinend waren meine Figuren mit dieser Idee nicht einverstanden: Kein Verletzter weit und breit zu sehen; lediglich Blutstropfen weisen darauf hin, dass noch jemand am Leben ist. Der Suchende folgt der Spur und wird von einer bewaffneten Kinderschar angegriffen, die ihn in ihr mysteriöses Versteck bringt. Und siehe da, da ist auch der Verwundete. Dieser wird gesund gepflegt und dabei auch gleich noch ein Geheimnis aufgedeckt. Die Anführerin - das wird mir bewusst, während meine Finger über die Tasten fliegen, wird mich in einem anderen Kapitel nochmals beschäftigen und da eine wichtige Rolle spielen - hilft den Freunden vor ihren Gegnern zu fliehen.
Das Kapitel ist beendet. 13 Seiten habe ich dazu verfasst. Wie das möglich ist, weiss ich immer noch nicht. Die Geschichte, beziehungsweise die Figuren, haben sich selbständig gemacht und die Kontrolle über mich erlangt. Das ist gut so, denn das Ergebnis ist unbeschreiblich - spannend, unerwartet, fesselnd und geheimnisvoll.
Manchmal hilft es, einfach darauf los zu schreiben ohne nachzudenken. Versucht es doch auch einmal. 

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