Mittwoch, 30. Juli 2014

Kapitellänge
Wie lange muss ein Kapitel sein, damit es als solches gilt?
Diese Frage hat mich die letzten Tage sehr beschäftigt - deshalb habe ich kurzerhand zehn Bücher von unterschiedlichen Autoren zur Hand genommen.
Fazit: Kapitel sind zwischen 9 und 20 Seiten lang, wobei die Schriftgrösse jeweils sehr stark variiert. Aufgefallen ist mir auch, dass Bücher in kleiner Schrift eher gegen 20 Seiten pro Kapitel aufweisen, wohingegen jene mit grosser Schrift weniger Seiten pro Kapitel haben.

Bedeutet diese Beobachtung also, dass es keine Regeln für die Kapitellänge gibt?
Wieder einmal mehr, ziehe ich das Internet zu rate. Und siehe da, es gibt tatsächlich keine festen Regeln - richtig ist, was für den Autoren/Autorin stimmt.

Wer gänzlich auf Kapitel verzichten will, kann dies tun, denn die Geschichte sollte sich eigentlich selbst in einen Anfang, in eine Mitte und einen Schluss unterteilen. Kapitel helfen jedoch dem Leseverständnis und die Lesenden fühlen sich vom vielen Text nicht so erschlagen und bleiben dran an der Geschichte.
Zudem können Kapitel auch als Stilmittel angewandt werden: Beispielsweise, wenn man aus Sicht einer anderen Person erzählen will, oder aus einer anderen Zeit, oder aus einem anderen Ort. 

Mittwoch, 23. Juli 2014

Autoreninterviews
Bei uns sind Sommerferien und ich habe irgendwie so gar keine Lust zum Schreiben.
Scheint bei uns in der Schweiz endlich mal die Sonne, dann bauen mein kleiner Sohn und ich Sandburgen, planschen im aufblasbaren Schwimmbecken oder rennen wild schreiend über den Rasen. Bei Regen sitzen wir gemütlich auf dem Sofa und lesen Bücher. Naja, lesen kann man das bei einem 17 Monate altem Kind eigentlich nicht nennen - er zeigt auf etwas und ich erkläre ihm, was er sieht und dies stundenlang. Abends bin ich - egal wie das Wetter ist - fix und foxi und ausserstande zu schreiben.

Deshalb habe ich mir überlegt, statt von mir zu schreiben, suche ich euch ein paar interessante Interviews von erfolgreichen Autoren in namhaften Zeitungen heraus, die ihr euch mal zu Gemüte führen könnt. Viel Spass beim Lesen:

Dan Brown: http://www.blick.ch/people-tv/international/exklusives-interview-mit-bestsellerautor-dan-brown-der-weltstar-aus-den-waeldern-id2323364.html
George R. R. Martin: http://www.blick.ch/people-tv/tv/interview-mit-game-of-thrones-erfinder-george-r-r-martin-macht-ihnen-ihre-eigene-fantasie-angst-id2971548.htmlhttps://www.migrosmagazin.ch/menschen/interview/artikel/der-vater-von-game-of-thrones-in-Interview
Haruki Murakami: http://www.zeit.de/2014/03/haruki-murakami
Jan Costin Wagner: http://www.fr-online.de/literatur/interview-mit-schriftsteller--glueckliche-autoren-haben-eine-passion-,1472266,8691764.html
Ceceila Ahern: http://www.focus.de/kultur/buecher/cecelia-ahern-im-focus-online-interview-meine-romanfiguren-haben-wilden-sex_id_3599306.html
Paulo Coelho: http://www.focus.de/kultur/medien/kultur-nie-nie-nie-aufgeben_id_3568873.html
Ken Follett: http://www.welt.de/print-welt/article165285/Wie-man-einen-Bestseller-schreibt.html
Nina George und Janna Hagedorn: http://www.abendblatt.de/kultur-live/article118433459/Wie-bitte-schreibt-man-einen-Bestseller.html
Klaus-Peter Wolf: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/wesel/wie-schreibt-man-einen-bestseller-herr-wolf-aid-1.4060721

Mittwoch, 16. Juli 2014

Zu viele Adjektive
Kann man etwas auch zu Tode beschreiben? Im Journalismus galt, Adjektive sind tabu, weil sie einen Text schwerfälliger und unnötig länger machen. Aber wie ist das in Büchern? Schliesslich will ich als Leser wissen, wo eine Geschichte spielt und wie es da aussieht.

Ich persönlich habe gemerkt, dass ich bei sehr langen und ausführlichen Beschreibungen schnell einmal Textpassagen überspringe, weil es mir einfach zu viel wird und ich mich langweile - aber gibt es eine Regel, was die Adjektive betrifft? Im Internet bin ich auf folgendes Zitat gestossen (http://www.forbes.com/sites/katelee/2012/11/30/mark-twain-on-writing-kill-your-adjectives/):: "When you catch an adjective, kill it. No, I don't mean utterly, but kill most of them - then the rest will be valuable. They weaken when they are close together. They give strength when they are wide apart." Frei übersetzt: Entdeckst du ein Adjektiv, dann töte es. Nicht alle, aber den grössten Teil - dann werden die stehengelassenen Adjektive wertvoller. Sie verlieren an Stärke, wenn zu viele beieinander stehen; sie gewinnen an Stärke, wenn man sparsam mit ihnen umgeht. Das Zitat stammt von Mark Twain http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Twain.

Eine schreibende Kollegin hat mich zudem darauf aufmerksam gemacht, dass einige Adjektive sehr ungenau sind und deshalb mehr Fragezeichen als Antworten beim Leser hinterlassen.

Ein Beispiel: Der Mann trug einen langen Mantel. Wie lang ist denn dieser Mantel nun? Knielang? Bodenlang?
Schreibt man stattdessen: Der Mantel des Mannes reichte bis zum Boden und säuberte bei jedem Schritt ein Stück des Weges   hat man als Leser eine genauere Vorstellung davon, wie lange der Mantel ist und der Autor benötigte für diese Beschreibung kein Adjektiv.

Folgenden Rat hat mir meine Kollegin gegeben:

Wer unsicher ist, ob er ein Adjektiv einsetzen will, kann sich diese drei Fragen stellen. Beantwortet er eine mit nein, dann sollte er das Adjektiv lieber bleiben lassen:
- Spiegelt es das Bild wider, das ich dem Leser zeigen möchte?
- Stärkt es meinen Satz?
- Ist es tatsächlich notwendig oder geht es auch ohne?

Mittwoch, 9. Juli 2014

Wortwiederholungen
Ja; vorsichtig; leise; natürlich; also; eigentlich; denn: Diese Wörter kommen in meinem Buch sehr oft vor.

Realisiert habe ich dies, als ich zwei Kapitel nochmals durchgelesen habe und immer wieder über diese Wörter stolperte. Mich stört es, wenn ein Wort in jedem zweiten Satz vorkommt.

Im Journalismus habe ich gelernt, dass man Wortwiederholungen so gut wie möglich vermeiden sollte, weil ein Text dadurch schnell einmal langweilig und einfallslos wirken kann. Vermeiden kann man sie, indem man Synonyme verwendet oder sich überlegt, wie man etwas auch noch möglichst einfach sagen kann. Wer jedoch stundenlang über Alternativen nachdenkt, macht sich das Schreiben nur noch schwerer und lässt es besser bleiben - für irgendetwas gibt es am Ende ja auch die Lektoren und die sollen auch noch etwas zum Mäkeln finden.

Wie bei jeder Regel gibt es auch hier eine Ausnahme: sagt darf jederzeit wiederholt werden. 

Mittwoch, 2. Juli 2014

Zu lange Schreibpausen = Unsicherheiten bei den Charakteren
Kratzt sich die Hauptperson am Kopf, wenn sie unsicher ist oder leckt sie sich über die Lippen? Wie duftet ihr Haar? Was hat sie bis zu dieser Stelle bereits preisgegeben und was muss ich nächstens preisgeben?
Diese Fragen haben mich diese Woche sehr beschäftigt - so sehr, dass ich kaum zum Schreiben gekommen bin, weil ich stattdessen nachlesen musste, was meine Charaktere wann tun.
Ich habe mir zwar zu jeder Person, die im Buch vorkommt Notizen gemacht, aber einige Kleinigkeiten gingen mir dabei wohl unter. Kein Wunder, denn als ich regelmässig geschrieben habe, war es auch nicht nötig, jedes Detail festzuhalten, so gut kannte ich meine Charakteren und ihre Eigenschaften. Doch jetzt, nach dieser langen Schreibpause ist es schwierig, sich wieder in die Personen hineinzuversetzen. Bei einigen Personen musste ich zudem feststellen, dass sie noch nicht so viel preisgegeben haben, wie ich laut Zeitplan eigentlich vorgesehen hatte.
Tja, wie sagt man so schön: "Aus Fehlern lernt man." Ich könnte euch an dieser Stelle versprechen, dass ich nie wieder eine so lange Schreibpause einlegen werde - aber ich weiss schon jetzt, dass ich dieses Versprechen irgendeinmal wieder brechen werde. Stattdessen habe ich mir folgendes vorgenommen: Wenn ich nicht schreibe, dann lese ich meinen Text gut durch, so bleibe ich in der Geschichte drin und es fällt mir eher auf, wenn eine Szene nicht in die Story passt.