Mittwoch, 16. Juli 2014

Zu viele Adjektive
Kann man etwas auch zu Tode beschreiben? Im Journalismus galt, Adjektive sind tabu, weil sie einen Text schwerfälliger und unnötig länger machen. Aber wie ist das in Büchern? Schliesslich will ich als Leser wissen, wo eine Geschichte spielt und wie es da aussieht.

Ich persönlich habe gemerkt, dass ich bei sehr langen und ausführlichen Beschreibungen schnell einmal Textpassagen überspringe, weil es mir einfach zu viel wird und ich mich langweile - aber gibt es eine Regel, was die Adjektive betrifft? Im Internet bin ich auf folgendes Zitat gestossen (http://www.forbes.com/sites/katelee/2012/11/30/mark-twain-on-writing-kill-your-adjectives/):: "When you catch an adjective, kill it. No, I don't mean utterly, but kill most of them - then the rest will be valuable. They weaken when they are close together. They give strength when they are wide apart." Frei übersetzt: Entdeckst du ein Adjektiv, dann töte es. Nicht alle, aber den grössten Teil - dann werden die stehengelassenen Adjektive wertvoller. Sie verlieren an Stärke, wenn zu viele beieinander stehen; sie gewinnen an Stärke, wenn man sparsam mit ihnen umgeht. Das Zitat stammt von Mark Twain http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Twain.

Eine schreibende Kollegin hat mich zudem darauf aufmerksam gemacht, dass einige Adjektive sehr ungenau sind und deshalb mehr Fragezeichen als Antworten beim Leser hinterlassen.

Ein Beispiel: Der Mann trug einen langen Mantel. Wie lang ist denn dieser Mantel nun? Knielang? Bodenlang?
Schreibt man stattdessen: Der Mantel des Mannes reichte bis zum Boden und säuberte bei jedem Schritt ein Stück des Weges   hat man als Leser eine genauere Vorstellung davon, wie lange der Mantel ist und der Autor benötigte für diese Beschreibung kein Adjektiv.

Folgenden Rat hat mir meine Kollegin gegeben:

Wer unsicher ist, ob er ein Adjektiv einsetzen will, kann sich diese drei Fragen stellen. Beantwortet er eine mit nein, dann sollte er das Adjektiv lieber bleiben lassen:
- Spiegelt es das Bild wider, das ich dem Leser zeigen möchte?
- Stärkt es meinen Satz?
- Ist es tatsächlich notwendig oder geht es auch ohne?

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