Mittwoch, 19. August 2015

Der Mittelteil
Erinnert ihr euch noch, dass ich in der Mitte weiter geschrieben habe, weil ich beim Anfang nicht weiter kam? Endlich bin ich mit meiner Geschichte so weit fortgeschritten, dass ich die Mitte erreicht habe. Eigentlich müsste ich mich jetzt ausruhen können oder gleich zum Schluss springen - weit gefehlt. Meine Vorgabe ist *******! 
Das Geschriebene passt einerseits nicht mehr zum vorangegangenen Geschehen, weil ich vieles bereits eingebaut habe oder die Geschichte einen anderen Lauf nahm und andererseits hat sich mein Schreibstil so sehr verändert, dass ich meine Sprache entsetzlich finde und mich in Grund und Boden schämen möchte.

Also heisst es mal wieder: Mut zum Löschen. Fast 20 Seiten verschwinden mit einem Klick im Nirgendwo - eigentlich schade, dass es keine Tauschbörse für Sätze gibt, vielleicht hätte ja jemand von euch meinen Müll recyceln und in seinem Text gebrauchen können.   


Donnerstag, 30. Juli 2015

Lebenszeichen
Ob es mich noch gibt? Nach vier Monaten ohne einen Post eine berechtigte Frage.
Ich habe ein enorm schlechtes Gewissen, dass ich so lange nichts von mir hören liess - vor allem deshalb, weil ich in der Zwischenzeit immer mal wieder an meinem Buch weiter geschrieben habe. Ich bin nicht oft dazu gekommen, weil meine Jungs eine Begabung oder besser gesagt einen Riecher dafür haben, wann sie mich am besten beim Schreiben stören können - meistens dann, wenn ich in meine Fantasiewelt abgetaucht bin und gerade eine Seite geschrieben habe.
Mein Grosser holt mich jeweils unsanft in die Wirklichkeit zurück, weil er hinter mich schleicht und laut "essen, essen" ruft. Sitzt der Nimmersatt endlich vor einem Früchteteller, bleiben mir ein paar Minuten um meine Gedanken zu ordnen und kurz aufzuschreiben, bevor mein kleiner Sohn über den Boden auf mich zu robbt und mich am Hosenbein zieht, bis ich ihn aufnehme. Dann beginnt ein Wettkampf mit seinen Fingern - entweder bin ich genug schnell mein Dokument zu speichern und zu schliessen, oder seine Fingerchen sind schneller und jagen über die Tastatur, dass ich mit gucken gar nicht mehr nachkomme und ich froh sein kann, wenn er mein Geschriebenes mit einem Klick nicht aus Versehen löscht.

Das ist also meine Ausrede für das lange Schweigen und der Grund, weshalb ich in 4 Monaten gerade mal 15 Seiten weiter gekommen bin.

Mittwoch, 1. April 2015

Wer sagt was
Statt - wie im letzten Post erläutert - "sagte" Synonyme zu suchen, könnt ihr auf ein einfaches Mittel zurückgreifen, damit der/die LeserIn erkennt, wer da nun genau spricht: Ihr macht nach jedem Zitat einen Absatz - denn jeder Charakter will mit seiner Handlung, seinem Sagen und seinem Denken Platz für sich, um nicht im Vorredner/-sprecher unterzugehen.

Beispiele:
"Wenn du nicht mehr kannst, dann würde ich ihn schon zu Ende essen."
"Ach, würdest du..."
"Ich würde mich dafür opfern."
Sie schmunzelte und reichte ihrem Freund....


"Was ist?" C'kelc schlug sofort die Augen auf.
"Du schnarchst - deshalb konnte ich nicht mehr schlafen."
"Du musst geträumt haben, ein guter Kommandant schnarcht nie." 

Mittwoch, 18. März 2015

Sagt, sagte
Vielen von euch, geht es vielleicht wie mir - die direkte Rede mit einem "sagte" abzuschliessen, findet ihr langweilig und überlegt euch stattdessen andere Varianten.
Diese Zeit könnt ihr euch gerne sparen: Das "sagte" ist lediglich dazu da, um zu erkennen, wer genau spricht. Diese Regel - die übrigens auch Autor Alexander Steele (Romane und Kurzgeschichten schreiben) vertritt - wurde mir ziemlich bald in meiner Journalistenkarriere eingetrichtert. Sparsam umgehen mit schreien, erläutern, erklären, fragen, kontern, verkünden, rufen, merken, finden, glauben, weinen, nicken, zustimmen, schmunzeln, flüstern, höhnen usw. sollte ich auch deshalb, damit es dem Leser auffällt, wenn ich sie dann doch mal einsetze.


Besser als "sagte" Synonyme zu suchen ist es zudem, wenn man beschreibt, wie die beiden Personen miteinander sprechen - den selten tun sie dies ohne Gesten. Auch ein Roman lebt von Gesten. Da kratzt sich jemand am Kopf, verschränkt die Arme vor der Brust, wirft ein Buch nach seinem Gesprächspartner, klimpert mit den Wimpern, zerreisst ein Bild, rauft die Haare, zeigt dem anderen einen Vogel, stampft mit dem Fuss auf, schaut zu Boden usw.
All das sind Dinge, die dazu genutzt werden können "den Tonfall des Zitates wiederzugeben".
Die Dialoge werden durch kurze Handlungen zwischen den wörtlichen Reden zusätzlich auch noch
glaubwürdiger und lebendiger.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Warum ich so lange nicht geschrieben habe
"Du siehst heute wunderschön aus. Ich bin so froh, dass du kommen konntest", flüsterte er ihr ins Ohr. Seine Lippen streiften ihr Ohr.
Sie errötete.
Er verbeugte sich vor ihr, dann reichte er ihr die Hand zum Tanze. Sie legte die Ihrige in die seine und folgte ihm in die Mitte des Saales. Die Musik setzte ein. 
Er zog sie eng an sich, legte seine Hand auf ihr Schulterblatt und sah ihr in die Augen. Ihre Lippen waren einen Atemhauch entfernt. Sein Gesicht näherte sich dem Ihrigen, als jemand an seinem Hosenbein zupfte.

Ähm, Moment mal! Wer stört denn da meine beiden Protagonisten? Das ist so aber nicht vorgesehen.
"Mama?"
Wieder zupft es am Hosenbein - und zwar an meinem.
"Mama!"
Mein zweijähriger Sohn holt mich in die Realität zurück und sorgt auch gleich dafür, dass es so bleibt.
"Kacka", sagt er und deutet auf seine vier Buchstaben.
Nachdem ich ihn frisch gewickelt habe, will er, dass ich mit ihm spiele und zupft mich im Minutentakt am Hosenbein, so dass ich keine Chance habe, mich auf meine Story zu konzentrieren - entnervt gebe ich schliesslich nach.

Und so erging es mir in den letzten zwei Monaten dauernd: Kaum habe ich mich zum Schreiben an den Computer gesetzt, da steht mein Sohn auch schon neben mir und will zusehen, was ich mache - am liebsten klettert er auf meinem Schoss, um wie wild auf die Tasten zu hausen oder er zupft an meinem Arm, um mir etwas ganz Wichtiges zu zeigen.

Und wenn nicht, dann lagen meine Jungs und ich krank im Bett. Hoffentlich wird es bald wieder Sommer - dann können die Grippewellen bleiben, wo der Pfeffer wächst.