Donnerstag, 5. Februar 2015

Warum ich so lange nicht geschrieben habe
"Du siehst heute wunderschön aus. Ich bin so froh, dass du kommen konntest", flüsterte er ihr ins Ohr. Seine Lippen streiften ihr Ohr.
Sie errötete.
Er verbeugte sich vor ihr, dann reichte er ihr die Hand zum Tanze. Sie legte die Ihrige in die seine und folgte ihm in die Mitte des Saales. Die Musik setzte ein. 
Er zog sie eng an sich, legte seine Hand auf ihr Schulterblatt und sah ihr in die Augen. Ihre Lippen waren einen Atemhauch entfernt. Sein Gesicht näherte sich dem Ihrigen, als jemand an seinem Hosenbein zupfte.

Ähm, Moment mal! Wer stört denn da meine beiden Protagonisten? Das ist so aber nicht vorgesehen.
"Mama?"
Wieder zupft es am Hosenbein - und zwar an meinem.
"Mama!"
Mein zweijähriger Sohn holt mich in die Realität zurück und sorgt auch gleich dafür, dass es so bleibt.
"Kacka", sagt er und deutet auf seine vier Buchstaben.
Nachdem ich ihn frisch gewickelt habe, will er, dass ich mit ihm spiele und zupft mich im Minutentakt am Hosenbein, so dass ich keine Chance habe, mich auf meine Story zu konzentrieren - entnervt gebe ich schliesslich nach.

Und so erging es mir in den letzten zwei Monaten dauernd: Kaum habe ich mich zum Schreiben an den Computer gesetzt, da steht mein Sohn auch schon neben mir und will zusehen, was ich mache - am liebsten klettert er auf meinem Schoss, um wie wild auf die Tasten zu hausen oder er zupft an meinem Arm, um mir etwas ganz Wichtiges zu zeigen.

Und wenn nicht, dann lagen meine Jungs und ich krank im Bett. Hoffentlich wird es bald wieder Sommer - dann können die Grippewellen bleiben, wo der Pfeffer wächst.